Übersicht: MünsterErstellt am: 09.02.2026

Mit dem neuen Forschungsprojekt NEOPRO-SIT untersucht das WTZ Münster am UKM, wie eine gezielte körperliche und psychische Vorbereitung vor einer Krebstherapie Patientinnen und Patienten unterstützen kann. Das Projekt wird von der Deutschen Rentenversicherung Westfalen über vier Jahre mit rund 634.000 Euro gefördert. | lie

Eine Krebsdiagnose bringt für viele Betroffene nicht nur medizinische, sondern auch erhebliche körperliche und seelische Herausforderungen mit sich. Wie gut Patientinnen und Patienten eine intensive Krebstherapie verkraften und sich anschließend erholen, hängt dabei nicht allein von der Behandlung selbst ab – sondern auch davon, wie gut sie darauf vorbereitet sind. Genau hier setzt das neue Forschungsprojekt NEOPRO-SIT* des WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Münster am UKM (Universitätsklinikum Münster) an.

„Uns geht es darum, die Behandlung frühzeitig sinnvoll zu ergänzen und Patientinnen und Patienten bestmöglich auf die bevorstehenden Therapieschritte vorzubereiten“, erläutert Prof. Annalen Bleckmann, Direktorin des WTZ Münster. „Durch die enge Verzahnung verschiedener Fachdisziplinen wollen wir dazu beitragen, die Belastbarkeit während der Therapie zu verbessern und die Erholungsphase danach zu erleichtern.“

Das Projekt, das über vier Jahre mit insgesamt rund 634.000 Euro von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Westfalen gefördert wird, widmet sich der Frage, welchen Beitrag eine sogenannte neoadjuvante Prähabilitation im Genesungs- und Rehabilitationsprozess leisten kann. Darunter versteht man gezielte Maßnahmen, die bereits vor der eigentlichen Tumortherapie beginnen und Patientinnen und Patienten dabei unterstützen sollen, körperlich belastbarer und psychisch stabiler in die Behandlung zu gehen. „Mit NEOPRO-SIT werden wichtige Grundlagen zur Gestaltung einer zukunftsorientierten Rehabilitation geschaffen“, sagt Thomas Keck, Erster Direktor der DRV Westfalen. „Eine frühzeitige Vorbereitung kann entscheidend dazu beitragen, Behandlungs- und Reha-Verläufe positiv zu beeinflussen.“

Im Fokus der Studie stehen zunächst Patientinnen und Patienten mit Brust- oder Speiseröhrenkrebs, die vor einer operativen Tumorentfernung eine medikamentöse und/oder strahlentherapeutische Behandlung erhalten. Perspektivisch sollen die gewonnenen Erkenntnisse auch auf weitere solide Tumorerkrankungen übertragen werden. Begleitet werden die Teilnehmenden in einem kombinierten Programm, das körperliche und psychosoziale Aspekte gezielt miteinander verbindet.

Kennzeichnend für NEOPRO-SIT ist der interdisziplinäre Ansatz: Fachkräfte aus Medizin, Physiotherapie, Sportwissenschaft und Psychoonkologie arbeiten dabei eng zusammen. Die Patientinnen und Patienten erhalten unter anderem eine Beratung zu Bewegung und körperlicher Aktivität sowie psychoonkologische Unterstützung, die sie dabei begleiten soll, mit Belastungen, Ängsten und Unsicherheiten im Behandlungsverlauf besser umzugehen.

Neben dem unmittelbaren Nutzen für die Teilnehmenden verfolgt NEOPRO-SIT ein langfristiges Ziel: Die Ergebnisse der Studie sollen dazu beitragen, prähabilitative Konzepte, die beispielsweise auf den Aufbau von Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer durch Bewegungstherapie vor einem operativen Eingriff abzielen, weiterzuentwickeln und perspektivisch stärker in der onkologischen Versorgung zu verankern. „Die Erfahrungen der Patientinnen und Patienten liefern dafür wichtige wissenschaftliche Grundlagen“, so Prof. Bleckmann. „Das Ziel ist, Behandlungsprozesse künftig noch gezielter und wirksamer zu gestalten.“

* Effekte der neoadjuvanten Prähabilitation auf postinterventionelle physische und psychische Ergebnisse bei onkologischen Patient*innen mitsoliden Tumoren