Übersicht: EssenErstellt am: 09.09.2026

Zum fünften Mal wurde auf dem Baldeneysee für einen guten Zweck gerudert: 65 Mannschaften gingen bei der Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ an den Start. Mit dabei waren zahlreiche Teams aus der Universitätsmedizin Essen, fünf Patientenboote und viele Aktive aus der Selbsthilfe. Die Erlöse kommen der Sport- und Bewegungstherapie am WTZ Essen zugute – und zeigen bereits konkrete Wirkung.

Am 5. September 2026 wurde der Baldeneysee erneut zur Regattastrecke für einen besonderen Zweck. 65 Mannschaften traten auf der 300 Meter langen Strecke gegeneinander an und hatten sich zuvor in vier Trainingseinheiten auf den Wettkampf vorbereitet. Veranstalter ist die Stiftung Leben mit Krebs, Kooperationspartner das Westdeutsche Tumorzentrum (WTZ) Essen der Universitätsmedizin Essen, Ausrichter die Ruderriege ETUF e.V. Unterstützend mit an Bord ist die Stiftung Universitätsmedizin Essen, die das WTZ Essen bei der Veranstaltung unterstützt. Die Schirmherrschaft liegt bei der Stadt Essen mit Oberbürgermeister Thomas Kufen. Bürgermeisterin Julia Jacob war vor Ort, nahm an einem Gespräch zur Bedeutung der Regatta teil und übernahm die Siegerehrung des ActiveOncoKids-Ruder-Cups.

Viele Bereiche der Universitätsmedizin gemeinsam auf dem Wasser

Besonders sichtbar war die breite Beteiligung der Universitätsmedizin Essen: Insgesamt 14 Boote gingen aus unterschiedlichen Bereichen an den Start. Vertreten waren unter anderem die WTZ-Geschäftsstelle gemeinsam mit NCT West und dem Zentrum für Naturheilkunde und Planetare Gesundheit, die WTZ Ambulanz Essen-Huttrop, das St. Josef Krankenhaus Essen-Werden, die Ruhrlandklinik, die Palliativmedizin, das Institut für Sport- und Bewegungstherapie am WTZ sowie die Klinik für Hämatologie und Stammzelltransplantation. Auch die LVR-Universitätsklinik Essen, die die Psychoonkologie am WTZ durchführt, war mit vier Booten dabei.

Fünf Patientenboote ergänzten das Teilnehmerfeld, darunter Teams der Selbsthilfegruppen „Gut drauf!“ und Prostata Selbsthilfe Essen e.V.. Damit wurde auf dem Wasser sichtbar, was auch das WTZ prägt: Alle Bereiche arbeiten gemeinsam Hand in Hand für Menschen mit Krebs.

Wenn Bewegung Teil des Umgangs mit der Erkrankung wird

Für Frank Vitus ist das Rudern längst mehr als ein Wettkampf. Der 71-jährige selbstständige Architekt wird wegen einer Prostata-Krebserkrankung in Essen behandelt und ist Palliativpatient. Über die Prostata Selbsthilfe Essen e.V. kam er zum Rudern und trainiert inzwischen regelmäßig in einer festen Gruppe von Krebspatient*innen beim ETUF. „Seit meiner Erkrankung hat sich mein Blick darauf verändert, was mir guttut und was ich selbst für meine Lebensqualität tun kann. Beim Rudern kann ich körperlich aktiv sein, die Folgen der Behandlung etwas ausgleichen und gleichzeitig gemeinsam in einem grandios zusammengewachsenen Team mit anderen trainieren. Das gibt mir ein Stück Normalität und Lebensfreude zurück.“

Seine Erfahrung steht beispielhaft für die Bedeutung der Sport- und Bewegungstherapie in der Krebsversorgung. Rudern trainiert den gesamten Körper, fördert Kraft, Ausdauer und Koordination und verbindet körperliche Aktivität mit sozialem Miteinander. Genau hier setzt das neue Institut für Sport- und Bewegungstherapie am WTZ an.

PD Dr. Miriam Götte, Vize-Direktorin des WTZ Essen und Leiterin des Instituts, erklärt: „Bewegung kann Menschen mit einer Krebserkrankung in ganz unterschiedlichen Phasen unterstützen – körperlich, psychisch und sozial. Dafür braucht es individuelle und wissenschaftlich fundierte Angebote. Die Erlöse aus ‚Rudern gegen Krebs‘ helfen uns ganz konkret dabei, diese Strukturen weiter auszubauen.“

Das Institut verbindet Forschung, Lehre und unmittelbare Patientenversorgung und bietet Menschen mit Krebs in allen Phasen der Erkrankung individuelle Beratung und unterschiedliche Bewegungsangebote. Dazu gehören unter anderem die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie, Sportgruppen, digitale Angebote und Ruderkurse. Im Oktober 2025 wurde dank der bereits erzielten Erlöse aus den vergangenen Regatten ein neuer, voll ausgestatteter Trainingsraum für Krebspatient*innen am Institut eröffnet. Mit den Erlösen aus der diesjährigen Regatta soll der Trainingsbereich um weitere Freihantel- und Trainingsgeräte ergänzt werden; bereits bis August 2026 wurden dort mehr Patient*innen sporttherapeutisch betreut als im gesamten Jahr 2025.

Aus der Kooperation von WTZ und ETUF ist zudem ein dauerhaftes Ruderangebot für Krebspatient*innen entstanden. Aktuell trainieren drei Vierermannschaften regelmäßig beim ETUF. Für Dr. Diethard König, 1. Vorsitzender der Ruderriege ETUF e.V., ist diese Entwicklung ein besonderer Erfolg: „Wir begrüßen sehr, dass aus der Benefizregatta ein dauerhaftes Ruderangebot für Krebspatient*innen entstanden ist. Die Verbindung von professioneller Sporttherapie am WTZ und unserer Erfahrung auf dem Wasser schafft eine hervorragende Grundlage dafür, dass Betroffene auch langfristig aktiv bleiben können.“

Selbsthilfe und Patientenbeteiligung als wichtige Partner

Für Ulrich Würdig, 1. Vorsitzender der Prostata Selbsthilfe Essen e.V., ist die Regatta eine wichtige Verbindung von Selbsthilfe und Bewegung: „Für unsere Selbsthilfegruppen ist es wichtig, dass Betroffene nicht nur Informationen und Austausch finden, sondern auch konkrete Möglichkeiten kennenlernen, selbst aktiv zu werden. Die Regatta bringt diese verschiedenen Angebote zusammen und zeigt, dass Selbsthilfe und professionelle Versorgung sich sehr gut ergänzen.“

Auch der WTZ-Patientenbeirat bringt die Perspektive von Betroffenen in die Arbeit des WTZ ein. Karl-Heinz Stein, stellvertretender Sprecher des Patientenbeirats sowie Patientenvertreter im Bereich Prostata, engagiert sich selbst als Betroffener für die Belange von Patient*innen: „Als Patientenvertreter ist es mir wichtig, dass die Erfahrungen und Bedürfnisse von Betroffenen tatsächlich in die Weiterentwicklung der Versorgung einfließen. Sport und Bewegung gehören für viele Menschen mit Krebs ganz selbstverständlich zu der Frage, wie sie mit ihrer Erkrankung leben können. Angebote wie dieses sollten deshalb auch aus Patientensicht mitgedacht werden.“ Karl-Heinz Stein ist in den vergangenen Jahren sowohl im Patientenboot als auch im Boot der WTZ-Geschäftsstelle aktiv mitgerudert.

Die enge Verbindung zu den Selbsthilfegruppen ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Patientenorientierung am WTZ. Katharina Kaminski, Referentin für Patientenbeteiligung und Selbsthilfe am WTZ, begleitet diese Zusammenarbeit: „Selbsthilfegruppen sind wichtige Partner im WTZ, weil sie die Perspektive von Menschen mit einer Krebserkrankung unmittelbar einbringen. Bei ‚Rudern gegen Krebs‘ wird diese Zusammenarbeit besonders sichtbar: Betroffene informieren andere Betroffene, rudern gemeinsam und erleben, dass sie mit ihrer Erkrankung nicht allein sind.“

Ein starkes Zeichen für Essen und die Krebsversorgung

Auch Bürgermeisterin Julia Jacob würdigte das Engagement rund um die Benefizregatta: „‚Rudern gegen Krebs‘ zeigt eindrucksvoll, wie viel entstehen kann, wenn Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Besonders beeindruckend ist, dass hier nicht nur Spenden gesammelt werden, sondern daraus konkrete Angebote für Krebspatient*innen entstehen. Das ist gelebte Solidarität und passt sehr gut zu unserer Stadt Essen.“Eine besondere Perspektive bringt Oliver Bettzieche als Projektleiter für die Benefizprojekte der Stiftung Leben mit Krebs ein. Er begleitet die Entwicklung der Veranstaltung in Essen seit mehreren Jahren: „Ich verantworte ‚Rudern gegen Krebs‘ an allen Standorten in Deutschland und erlebe immer wieder, was ein solcher Veranstaltungstag bewirken kann. In Essen lässt sich diese Entwicklung besonders gut über die vergangenen fünf Jahre verfolgen: Aus der Regatta sind nicht nur neue Kontakte und Aufmerksamkeit für das Thema Bewegung bei Krebs entstanden, sondern auch ein dauerhaftes Ruderangebot für Patient*innen. Das zeigt, wie nachhaltig die Idee von ‚Rudern gegen Krebs‘ wirken kann.“

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