Netzwerk
31. Januar 2023 | Pressebeitrag

Kinderwunsch bei Krebs – dank eisgekühlter Reserve zum Elternglück

Jana Duisen und ihr Mann Sven sind überglücklich. Trotz einer zurückliegenden Krebserkrankung der jungen Frau und der dadurch notwendigen Therapien können die beiden nun das Familienleben mit Sohn Matthis Peter genießen. Der kam vor gut einem halben Jahr auf die Welt, nachdem Jana Duisen das zuvor am UKM entnommene und tiefgefroren eingelagerte Eierstockgewebe wieder eingepflanzt bekommen hatte und sie danach auf natürlichem Wege schwanger wurde. Bundesweit wurden bisher erst rund 60 Kinder dank der neuen Methode geboren.

Eigentlich wollte Jana Duisen im Herbst 2021 ihr Brautkleid aussuchen, als sie und ihr Mann Sven endlich die lang ersehnte Botschaft vom Kinderwunschzentrum am UKM (Universitätsklinikum Münster) bekamen: Der Schwangerschaftstest war positiv. „Ich habe da gar nicht mehr mit gerechnet“, erinnert sich die heute 35-jährige Grundschullehrerin aus dem niedersächsischen Bad Iburg an diesen besonderen Moment. Denn 2014 war sie an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und es war lange nicht klar, ob sie nach dessen Behandlung würde Kinder bekommen können. Die Brautkleidsuche und der Termin für die kirchliche Hochzeit wurden kurzerhand verschoben. Im Juli 2022 kam Sohn Matthis Peter zur Welt und bereichert seither den Familienalltag.

„Häufig erfordern Krebserkrankungen aggressive Therapien. Diese können zum Verlust der Fruchtbarkeit führen“, erklärt Tanja Sperlbaum, die die Duisens im UKM Kinderwunschzentrum am WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Münster betreut. Ist die Krankheit dann überstanden, so die Oberärztin, wach-se bei jungen Betroffenen nicht selten ein starker Kinderwunsch heran. Daher sei es wichtig, diese Patientinnen bereits vor Therapiebeginn über die verschiedenen Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit aufzuklären. „Ich hatte bei meiner Behandlung in der Klinik in Osnabrück einen tollen Assistenzarzt, der mir erzählt hat, dass man Eierstockgewebe entnehmen und später wieder einpflanzen lassen kann“, ist Jana Duisen dankbar, die Information damals rechtzeitig vor Chemo- und Strahlentherapie bekommen zu haben. „Deswegen ist mir wichtig, dass auch andere betroffene Frauen davon erfahren!“

Nach der Beratung im UKM Kinderwunschzentrum wurden 2014 kurz nach der Diagnose dann Teile des Gewebes durch Dr. Sebastian Schäfer, Oberarzt in der Frauenklinik, operativ entfernt und anschließend bei minus 196 Grad Celsius gelagert. „Der Eingriff kann per Bauchspiegelung erfolgen“, so der Gynäkologe. Anders als bei der bekannteren Alternative, dem Einfrieren von Eizellen, komme es nicht zur Verzögerung bei der Behandlung. „Die Gewinnung von Eizellen ist erst nach einer Stimulation der Eierstöcke möglich und benötigt einen Vorlauf von mindestens zwei Wochen“, erklärt Schäfer. Gerade bei aggressiven Krebserkrankungen sollte die Therapie jedoch schnellstmöglich starten. Dann sei die sogenannte Kryokonservierung des Eierstockgewebes eine wichtige Option. Ein weiterer Vorteil: Auch bei krebskranken Mäd-chen, die noch nicht in der Pubertät sind, kann das Verfahren angewandt werden.

Vor gut zwei Jahren entschloss sich Jana Duisen dann, das entnommene Gewebe wieder implantieren zu lassen. Dafür fuhr sie zum Universitätsklinikum in Erlangen, das sich auf diese Operation spezialisiert hat. Danach brauchte es etwas Zeit und vorübergehend hormonelle Unterstützung, bis der Zyklus wieder einsetzte. „Man verliert schon etwas den Mut, wenn es nicht klappt“, erinnert sie sich an diese nervenaufreibende Zeit.

„Das Verfahren gilt inzwischen als etabliert, aber wir haben bisher noch wenig Zahlen zu daraus resultierenden Schwangerschaften – häufig wird das Gewebe ja erstmal über viele Jahre eingelagert“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Verena Nordhoff, Reproduktionsbiologin am UKM und Vorstandsmitglied im Netzwerk FertiPROTEKT, dessen Ziel es ist, Frauen und Männer vor einer potenziell keimzellschädigenden Therapie hinsichtlich möglicher fertilitätserhaltender Maßnahmen zu informieren. Nicht unwesentlich sei bei der Entscheidungsfindung häufig auch der Kostenfaktor. „Im August 2022 hat der Gemeinsame Bundesausschuss den bisherigen Anspruch für gesetzlich Versicherte ergänzt“, so Nordhoff. Zusätzlich zum Einfrieren von Ei- oder Samenzellen soll für junge Frauen ab der ersten Regelblutung sowie für ältere Frauen bis zum vollendeten 40. Lebensjahr künftig auch die Kryokonservierung von Eier-stockgewebe eine Kassenleistung werden. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Chancen auf eine Schwangerschaft auf diesem Wege mit fortschreiten-dem Alter zum Zeitpunkt der Gewebeentnahme abnehmen“, ergänzt Nordhoffs Kollegin Tanja Sperlbaum. Die Methode führe leider nicht immer zur Erfüllung des Kinderwunsches.

„Wir haben Glück gehabt!“, weiß Jana Duisen. „Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt!“ Jetzt gewöhnt sich die junge Familie an das Leben zu dritt. Auch das passende Brautkleid und ein neuer Termin für die kirchliche Hoch-zeit im kommenden Sommer sind inzwischen gefunden.

Weitere Meldungen

Netzwerk
07.02.2024 | Pressebeitrag

„Ich habe sehr viel Glück gehabt“:

Die ersten Patientinnen und Patienten am UKM profitieren von den erfolgversprechenden weltweiten Neuentwicklungen in der Krebstherapie, die einen gezielten Angriff der Krebszellen ermöglichen – auch wenn die Erkrankung wie bei Werner Isbach schon mehrfach zurückgekehrt ist. | lie Als bei Werner Isbach 2021 eine aggressive Form von Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wurde, musste alles sehr schnell gehen. Die befallenen Lymphknoten im Bauchraum waren bereits stark geschwollen und drückten auf die benachbarten O…

Netzwerk
25.01.2024 | Pressebeitrag

Krebstag Ruhr 2024: Über 300 Interessierte informierten sich

Am Samstag, 20.01.2024 fand der sechste Krebstag Ruhr des Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) Netzwerks unter Beteiligung der Deutschen Krebshilfe und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) statt. Es informierten sich über 300 Interessierte vor Ort im Lehr- und Lernzentrum am Universitätsklinikum Essen sowie digital über Zoom. Zum ersten Mal konnte die etablierte Patientenveranstaltung mit einer Förderung der Deutschen Krebshilfe realisiert werden. Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kreb…

Netzwerk
22.01.2024 | Pressebeitrag

Krebs und Ernährung: Was helfen kann, Metastasen zu stoppen

Welche Nährstoffe brauchen Tumoren, um Metastasen zu bilden? Wo ist ihr Stoffwechsel angreifbar? Und was hat mein Essen mit Hautkrebs zu tun?

Netzwerk
15.01.2024 | Pressebeitrag

Prof. Reinhardt führt Fachausschuss der Deutschen Krebshilfe

Zum Vorsitzenden des Fachausschusses „Klinische Forschung/kliniknahe Grundlagenforschung“ der Deutschen Krebshilfe wurde Prof. Dr. Christian Reinhardt, Direktor der Klinik für Hämatologie und Stammzell­transplantation, für fünf Jahre gewählt. „Als Mitglied des Beirates des größten privaten Drittmittelgebers auf dem Gebiet der Onkologie freue ich mich, hier aktiv an der Unterstützung neuer Forschungsvorhaben mitwirken zu dürfen“, sagt Prof. Reinhardt. Er weist darauf hin, dass in der klinischen Onkologie auß…

Netzwerk
15.01.2024 | Pressebeitrag

NRW-Ministerin Brandes besucht IKIM

Exaktere Diagnosen, bessere Therapien, Entlastung für Pflegefach­personen und ärztliches Personal sowie mehr Effizienz und Qualität in Arbeitsabläufen: Dies sind nur einige der vielen Ziele, die durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) erreicht werden können. Welche Möglichkeiten KI schon jetzt und in Zukunft bietet, darüber informierte sich Ina Brandes, NRW-Ministerin für Bildung und Forschung, bei ihrem Besuch im Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin (IKIM) im Girardet Haus. Auch di…

Netzwerk
09.01.2024 | Pressebeitrag

Wann schlägt eine Immuntherapie an? Forscher nehmen die CAR-T-Zell-Therapie genau unter die Lupe

Schlägt die Chemotherapie bei Patienten mit einem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom nicht an oder kommt der Krebs zurück, muss das Behandlungsteam weitere Therapiepfade in Betracht ziehen. Wo früher nur eine höher dosierte Chemo- oder eine Stammzelltherapie in Frage kamen, wird seit wenigen Jahren eine sogenannte CAR-T-Zell-Therapie angewendet. Damit lassen sich zwar mehr Patienten als mit den bisherigen Ansätzen erfolgreich behandeln, eine Forschergruppe am Universitätsklinikum Essen will die Heilungsch…

Netzwerk
08.12.2023 | Pressebeitrag

1,5 Mio. Euro für Hautkrebsforschung: EU-Forschungsrat vergibt ERC Starting Grant erstmals an Essener Forscher

Europas führende Förderorganisation, der Europäische Forschungsrat (ERC), unterstützt die Hautkrebsforschung von Wissenschaftler:innen der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) bis 2028 mit 1,5 Millionen Euro. Mit einem „ERC Starting Grant“ fördert das EU-Gremium den Onkologen und Dermatologen Prof. Dr. Dr. Alpaslan Tasdogan. Erstmals geht diese Förderung an einen in Essen tätigen Forscher. Ziel von Professor Tasdogan und seinem Team ist, durch Untersuchungen an Patient:innen besser zu verstehen, warum sich gesunde Zellen in Zellen des Schwarzen Hautkrebses verwandeln, im Körper streuen und wie diese Metastasen bekämpft werden können.

Netzwerk
29.11.2023 | Pressebeitrag

Highly Cited Researchers 2023: Zwei Essener Mediziner unter den international meistzitierten Forschern

Wer erfolgreich forscht, veröffentlicht die Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Paper. Finden diese Veröffentlichungen unter Kolleg:innen weltweit große Beachtung und werden entsprechend häufig zitiert, können die Autor:innen in Rankings miteinander verglichen werden. Kürzlich hat die Web of Science Group ihre jährliche Liste der „Highly Cited Researchers“ veröffentlicht. Mit den beiden Medizinern Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Gerd Heusch (Direktor des Instituts für Pathophysiologie, Forschungsschwerpunkt Herzinfarkt) und Prof. Dr. Dirk Schadendorf (Direktor der Klinik für Dermatologie, Forschungsschwerpunkt Hautkrebs) ist die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen und das Universitätsklinikum Essen gleich zweimal vertreten.

Netzwerk
24.11.2023 | Pressebeitrag

Spitzenforschung für Kampf gegen Krebs: Nordrhein-Westfalen bekommt Nationales Centrum für Tumorerkrankungen

Diese Unterschrift ist eine gute Nachricht für Hunderttausende Krebspatientinnen und -patienten in Nordrhein-Westfalen! Am Freitag, 24. November 2023, besiegelten Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Ina Brandes und Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger in Heidelberg die Bund-Länder-Vereinbarung über die gemeinsame Förderung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Essen/Köln (NCT West). Ab dem 1. Januar 2024 wird das NCT West jährlich mit 13 Millionen Euro vom Bund und weiteren 1,…

Netzwerk
24.11.2023 | Pressebeitrag

NCT-Erweiterung auf sechs Standorte ministeriell besiegelt

Für die klinisch-translationale Krebsforschung in Deutschland ist es ein historischer Schritt: Das NCT erweitert seine Präsenz von zwei auf sechs Standorte. Zu Heidelberg und Dresden kommen nun die Standorte Berlin, Südwest (Tübingen, Stuttgart, Ulm), WERA (Würzburg, Erlangen, Regensburg, Augsburg) und West (Köln und Essen) hinzu. Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, würdigte die Bedeutung dieses Schrittes in einer feierlichen Auftaktveranstaltung am 24. November 2023 in Heid…

Unser Netzwerk

Im Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) kooperieren die onkologischen Zentren der Universitätsmedizin Essen und des Universitätsklinikums Münster für die Weiterentwicklung der Krebsmedizin und eine optimale Patientenversorgung.

Die landesweite strategische Vernetzung ermöglicht allen Betroffenen in der Region einen schnellen und wohnortnahen Zugang zu modernster Krebsmedizin auf höchstem Niveau.

Durch den Zusammenschluss werden zusätzliche Synergie-Effekte in den Bereichen Forschung, Lehre und Therapie sowie in Aus-, Fort- und Weiterbildung geschaffen – zum Wohle unserer Patienten.

Starke Partner im
Kampf gegen Krebs